Unsere Gemeinde unterstützt das Ahrtal

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Vorwort von Pfarrer Martin Pilz:

Ich hatte Spenden für Flutopfer gesammelt, da haben wir Erftstadt unterstützt, eine Familie in der Eifel und jetzt haben wir uns an einem Einsatz in Mayschoß beteiligt.

Reinhard Breil ist Mitglied unserer Gemeinde und fährt immer wieder an die Ahr, in Zusammenarbeit mit den Schützen.

Wir möchten gerne auch weiter helfen und erbitten Spenden für das Ahrtal auf unser Konto:
Ev. Kirchengemeinde in Kaarst,
IBAN: DE93 3506 0190 1088 3490 98
BIC: GENO DED1 DKD (Bank für Kirche und Diakonie, Dortmund)
Verwendungszweck: Fluthilfe

Martin Pilz

Einsatz Nr. 7, Mayschoß, Bahnsteig 1, 30.10.2021
Liebes Fluttagebuch,
ein Tag voller Höhen und Tiefen. Wir haben nun schon einiges gesehen: Unfassbares, unbegreifliches, totale Zerstörung, aber auch Hoffnung – und sei es nur eine Sonnenblume in einem Baueimer. Etwas Farbe in einer der ehemals schönsten Gegenden Deutschlands, in der nun alles Grau in Grau ist.


Die Höhen hatten wir direkt am Anfang des Tages. Abgabe der Spenden in Höhe von fast 1000 EUR beim Baustoffzelt Kaiser. Eine Palette voll mit Farbe, Tiefengrund, Malervlies und Acryl. Diese Spenden wären ohne die evangelische Kirchengemeinde Kaarst und Malermeister Dirk Andreas nicht möglich gewesen. Die Mitarbeiter haben sich auf jeden Fall gefreut – und wir uns auch. Tausend Dank an alle, die da ihren Teil zu beigetragen haben!

Über die Buckelpiste ging es dann von Walporzheim über Dernau nach Mayschoß zum Bahnsteig 1. Der Bahnsteig 1 war einmal eine sehr schöne Gaststätte, zumindest, was man uns darüber erzählte, mit angeschlossenem Bahnhof. Von den Erzählungen ist leider nicht viel übrig geblieben. Als wir ankamen erwartete uns schon unser Kontakt an diesem Tag: Der Koordinator von „Rheingau hilft“. Leider hatte er anscheinend für diesen Tag im Vorfeld etwas zuviel koordiniert. Neben Rheingau hilft und uns waren auch noch Mitarbeiter einer großen Firma aus dem Bergischen Land vor Ort. Wir standen uns also des Öfteren auf den Füßen, denn in  die engen Räume und Gänge des  Kellers, der komplett entkernt werden musste, passte nur eine überschaubare Anzahl an Helfern.

Während wir also auf Schutteimer zum Abtransport warteten, gab es genug Zeit für Gespräche. So haben wir die Gruppe aus dem Rheingau etwas näher kennengelernt, mit der nun auch unser nächster Einsatz am 20. November  zusammen geplant wird. Dann betrat Thorsten die Szenerie. Ein Kerl wie ein Baum, pausbäckig mit Metzgerschürze. „Jungs, braucht ihr noch wat?“. „Ein bisschen mehr Arbeitsfluss wäre gut“ entgegnete ich. Das Eis war gebrochen und wir kamen ins Gespräch. Thorsten war nicht, wie angenommen, einer der Helfer vom Verpflegungspunkt, sondern der Eigentümer vom Bahnsteig 1. Sein Lebensinhalt wurde in einer Nacht weggespült. Viel konnte er nicht retten, aber er gibt nicht auf und veranstaltet momentan Whiskey-Tastings deutschlandweit. Aufgeben ist keine Option!

Am Ende unseres Arbeitstages kam Thorsten noch mit einer Sackkarre rum „bedient euch. Und Danke für eure Hilfe!“. Auf der Sackkarre waren drei 12er-Kartons mit Flutwein. Ein Mensch, der selbst das allermeiste verloren hat, schenkt uns noch etwas. Sowas gibt es nur im Ahrtal. Wir kommen wieder zu Thorsten und seinem Bahnsteig 1. Das haben wir versprochen. Wenn nicht bald, dann zur Eröffnung in einem Jahr. Ich drücke ihm die Daumen, dass dieser Zeitplan aufgeht, denn es gibt noch unendlich viel zu tun!

Reinhard Breil